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  Realismus in Bezug auf Nordkorea (Project-Syndicate 2013/4/1) - German


Realismus in Bezug auf Nordkorea

Project-Syndicate Apl. 1, 2013


BERLIN – Die Aufgabe der Welt, Nordkoreas Säbelrassen zu begegnen, wird durch die
Tatsache, dass sie es mit einem verarmten und effektiv besiegten Land zu tun hat, nicht
erleichtert. Im Gegenteil: Gerade unter solchen Umständen ist eine besonnene Voraussicht
besonders nötig.

This illustration is by Pedro Molina and comes from <a href="http://www.newsart.com">NewsArt.com</a>, and is the property of the NewsArt organization and of its artist. Reproducing this image is a violation of copyright law.

Illustration by Pedro Molina

Das Genie von Fürst Klemens von Metternich, dem Vertreter des Habsburgerreiches, bei der
Abfassung einer neuen internationalen Ordnung nach den Napoleonischen Kriegen bestand
darin, dass er das besiegte Frankreich nicht in eine Ecke drängte. Obwohl Metternich
bestrebt war, ein mögliches Wiedererstarken Frankreichs zu verhindern, stellte er die
französischen Vorkriegsgrenzen wieder her.

Im Gegensatz dazu konnten die Sieger des Erstens Weltkrieges, wie Henry Kissinger
argumentiert hat, das besiegte Deutschland weder abschrecken noch ihm die Anreize bieten,
den Vertrag von Versailles zu akzeptieren. Stattdessen erlegten Sie Deutschland in der
Hoffnung, es dauerhaft zu schwächen, harte Bedingungen auf. Wie dieser Plan ausging,
wissen wir.

John F. Kennedy hatte das Format eines Metternich. Während der Kubakrise versuchte er
nicht, die Sowjetunion zu demütigen oder völlig zu besiegen. Stattdessen versetzte er
sich in Nikita Chruschtschows Lage und stimmte zu, im Austausch gegen den Abzug der
sowjetischen Raketen aus Kuba heimlich die amerikanischen Raketen in der Türkei und in
Italien abzubauen. Kennedys Pragmatismus verhinderte einen Dritten Weltkrieg.

Nordkorea kam bisher leider nicht in den Genuss derart weitsichtiger Staatskunst.
Angesichts des gefährlichen nuklearen Spiels des Nordens sollten wir uns fragen, was
wohl passiert wäre, wenn das Nordkoreaproblem während der letzten rund 20 Jahre mit der
Klugheit eines Metternich oder Kennedy in Angriff genommen worden wäre.

Natürlich ist Nordkorea weder Frankreich im frühen 19. Jahrhundert noch die UdSSR von
1962. In den Augen der politischen Führungen des Westens (einschließlich der Japans)
war es nie mehr als ein kleines Randland, dessen wirtschaftliche Versäumnisse es immer
so aussehen ließen, als stünde es kurz vor der Selbstzerstörung. Größtenteils zogen
es die Staats- und Regierungschefs vor, nicht von Nordkorea belästigt zu werden, und
so reagierten sie ad hoc, wann immer dieses ein Sicherheitsproblem schuf. Doch nun –
im Gefolge der jüngsten Atomtests des Nordens und angesichts seiner sich verbessernden
Kapazitäten in der Raketentechnologie – ist dieser Ansatz nicht länger haltbar.

Die vielleicht beste Chance zur Lösung des Problems in einer früheren Phase bestand
unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahre 1991. Damals sah sich
Kim Il-sung – der Gründer Nordkoreas – einem wirtschaftlichen Zusammenbruch, der
Verringerung seiner Streitkräfte sowie diplomatischer Isolation ausgesetzt. In
Interviews mit Asahi Shimbun und der Washington Times im März und April 1992 äußerte
Kim den Wunsch, diplomatische Beziehungen zu den USA aufzunehmen. Die Führungen der USA
und Südkoreas waren jedoch nicht bereit, auf Kims Angebot einzugehen. Ihre vorgefassten
Meinungen über Nordkorea hinderten sie daran, eine sich schnell wandelnde politische
Realität zu erkennen.

Zehn Jahre Später wurde eine weitere Gelegenheit versäumt. Hätte Nordkorea den Besuch
des US-Gesandten William Perry in Pjöngjang im Mai 1999 damals zeitnah beantwortet,
hätte Präsident Bill Clintons Politik des Dialogs mit dem Norden möglicherweise in
eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen gemündet. Stattdessen zögerte der
Norden und entsandte Vizemarshall Jo Myong-rok erst im Oktober 2000, gegen Ende von
Clintons Präsidentschaft, in die USA. Ein paar Monate später machte der neu gewählte
Präsident George W. Bush Clintons Nordkoreapolitik rückgängig.

Ich erinnere mich noch am die Schwierigkeiten, die ich als damaliger Außenminister
Südkoreas hatte, die Vertreter der Bush-Administration zu überzeugen, mit Nordkorea zu
verhandeln, statt es lediglich unter Druck zu setzen und auf die Kapitulation des
Nordens zu warten. Damals nahm Nordkorea gerade seine Nuklearanlage in Yongbyon wieder
in Betrieb und produzierte Plutonium, was seine Verhandlungsposition gegenüber den USA
stärkte. Kostbare Zeit wurde vor dem ersten Atomtest Nordkoreas im Jahre 2006 vertan.
Auch wenn Bush seine Politik ein paar Monate später hin zu bilateralen Verhandlungen
mit dem Norden veränderte, war das Kim-Regime inzwischen sehr viel obstinater geworden.

Tatsächlich ist Nordkoreas Verhalten seitdem sogar noch volatiler geworden. Vorfälle
wie die Versenkung der südkoreanischen Korvette Cheonan und die Bombardierung der Insel
Yeonpyeong in 2010 hatte es bisher nicht gegeben, und sie steigerten die
interkoreanischen Spannungen auf ihr höchstes Maß seit Jahrzehnten. Heute, nach dem
dritten Atomtest des Nordens, scheinen wir in die bisher gefährlichste Phase
eingetreten zu sein, und das Regime erklärt, dass es nie auf seine nukleare Option
verzichten werde. Was also bleibt zu tun?

Die erste Option sollte die Abschreckung vor weiterer Aggression durch Diplomatie sein.
Doch eine diplomatische Abschreckung setzt die Kooperation Chinas voraus, und das
erfordert, dass Chinas vitale nationale Sicherheitsinteressen anerkannt werden. China
fürchtet nicht nur die sozialen und wirtschaftlichen Folgen einer Implosion Nordkoreas,
sondern auch die strategischen Konsequenzen einer Wiedervereinigung – insbesondere,
dass das US-Militär durch sein Bündnis mit Südkorea Zugriff auf das Gebiet an seiner
Grenze erhalten würde.

Die bloße Bekundung, dass die USA nicht die Absicht hätte, diesen militärischen
Vorteil auszunutzen, wird Chinas Befürchtungen nicht beruhigen. Die chinesische Führung
hat nicht vergessen, dass die USA dem sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow
versprach, dass die deutsche Wiedervereinigung und ein demokratischer Wandel in
Osteuropa nicht zu einer Osterweiterung der NATO führen würden. Daher ist eine
konkretere Verpflichtung, die Südkoreas fundamentalen Sicherheitsanliegen Rechnung
trägt, erforderlich. Nur wenn Chinas Sicherheit gewährleistet ist, wird sich das Land
aus seiner Komplizenschaft bei der nordkoreanischen Politik am Rande des Abgrunds lösen
und das Verhalten des Nordens besser kontrollieren können. 

Doch die chinesische Kooperation – obwohl unverzichtbar – wird das Nordkoreaproblem
allein nicht lösen. Ein umfassender Ansatz muss dem Tempo des inneren Wandels,
insbesondere in den Köpfen der normalen Nordkoreaner, Rechnung tragen. Einfach
ausgedrückt: Die Nordkoreaner sind nicht mehr so isoliert, wie sie es einst waren,
und sie sind sich ihrer Verarmung zunehmend bewusst. Dies ist primär durch den
verstärkten Handel und die engeren Beziehungen zum boomenden China begründet.

Dieser innere Wandel muss ermutigt werden, denn er wird sich als effektiver dabei
erweisen, das Verhalten des Regimes zu beeinflussen, als Druck von außen. Freilich
muss eine derartige Ermutigung auf eine Weise erfolgen, die die Ängste des Nordens,
auf indirektem Weg vernichtet zu werden, nicht weiter anheizt. Der jüngste Vorschlag
der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-hye, trotz der jüngsten Zunahme der
Spannungen humanitäre Hilfe zu leisten, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Das Leben der ganz normalen Nordkoreaner ist nicht weniger wichtig als die Sicherheit
der Nachbarn Nordkoreas. Ein umfassender Ansatz ist erforderlich – und zwar einer,
der sich genauso sehr auf die menschliche Dimension konzentriert wie auf die
Sicherheitsdimension. Es bleibt abzuwarten, ob dieser Ansatz mehr Voraussicht und
Mut erfordert, als die heutigen politischen Führungen in Südkorea, im Westen und
in China aufbringen können.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

*Source from: http://www.project-syndicate.org/commentary/applying-diplomatic-deterrence-to-north-korea-by-yoon-young-kwan/german


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