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  Das globale Führungsvakuum füllen (Project-Syndicate 2013/10/1) - German


Das globale Führungsvakuum füllen

Project-Syndicate Oct. 1, 2013

SEOUL – Ist die Welt in ein neues Zeitalter des Chaos eingetreten? Amerikas
unentschlossene Politik gegenüber Syrien legt diesen Schluss nahe. Aufgrund des
bitteren Vermächtnisses der Invasionen in den Irak und Afghanistan und der
anschließenden Finanzkrise des Jahres 2008 zögern die Vereinigten Staaten
mittlerweile nicht nur, ihre militärische Macht auch bei Überschreitung „roter Linien
“ einzusetzen, sondern sind offenkundig auch nicht bereit, gravierende, mit der
Erhaltung ihrer globalen Führungsposition einhergehende Belastungen zu tragen. Doch
wer wird Amerikas Platz einnehmen, wenn das Land nicht mehr gewillt ist, die Führung
zu übernehmen?

This illustration is by Paul Lachine and comes from <a href="http://www.newsart.com">NewsArt.com</a>, and is the property of the NewsArt organization and of its artist. Reproducing this image is a violation of copyright law.

Illustration by Paul Lachine

Die chinesische Führung hat ihr Desinteresse an einer aktiven globalen Führungsposition
offen an den Tag gelegt, als sie es ablehnte, „verantwortungsbewusster Beteiligter“
in  internationalen politischen und wirtschaftlichen Systemen zu werden. Unterdessen
herrscht in Russland zwar möglicherweise der Wunsch vor, die Illusion vom globalen
Akteur aufrechtzuerhalten, doch in letzter Zeit scheint man hauptsächlich daran
interessiert zu sein, Amerikas Pläne bei jeder Gelegenheit zu durchkreuzen – selbst
wenn das nicht in Russlands langfristigem Interesse liegt. Und Europa steht vor zu
vielen internen Problemen, um eine bedeutende Führungsrolle auf internationaler Ebene
zu spielen.

Wenig überraschend hat dieser Mangel an Führerschaft die Effektivität internationaler
Institutionen ernsthaft untergraben, wie an der halbherzigen Reaktion des
UN-Sicherheitsrates auf die Syrien-Krise und dem Scheitern der aktuellen Runde der
Handelsgespräche der Welthandelsorganisation (WTO) zu sehen ist. Diese Situation
ähnelt jener in den 1930er Jahren – einem Jahrzehnt, als ein Führungsvakuum zu einer
Unterproduktion globaler öffentlicher Güter führte und die Große Depression
verschärfte, wie der Wirtschaftshistoriker Charles P. Kindleberger ausführte.

Unter diesen Umständen müssen die USA und China – die einzigen tauglichen Kandidaten
für globale Führung – einen umfassenden Kompromiss erzielen, der die fundamentalen
Interessen beider Länder unter einen Hut bringt und es ihnen auch ermöglicht,
gemeinsam zu handeln, um globale öffentliche Güter bereitzustellen und zu schützen.
Nur durch eine Stabilisierung der bilateralen sino-amerikanischen Beziehungen kann
ein globales System erreicht werden, das Frieden und gemeinsamen Wohlstand
unterstützt.

Beginnen sollte ein derartiger Kompromiss mit konzertierten Bemühungen der USA, die
Rolle Chinas in internationalen Wirtschaftsinstitutionen wie dem Internationalen
Währungsfonds, der Weltbank und der WTO aufzuwerten. Obwohl die Ernennung des
chinesischen Zentralbankers Zhu Min zum Vizepräsidenten des IWF ein positiver
Schritt war, folgten keine weiteren Ernennungen oder Bemühungen, die zu einer
Steigerung des Einflusses Chinas geführt hätten.

Überdies sollte China in die Transpazifische Partnerschaft aufgenommen werden –
jene pan-asiatische Freihandelszone, die von den USA mit Australien, Brunei
Darussalam, Chile, Malaysia, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam verhandelt
wird. Eine Spaltung der Region Asien-Pazifik in zwei Wirtschaftsräume – einer rund
um China, der andere mit den USA als Mittelpunkt – würde das Misstrauen steigern
und wirtschaftliche Differenzen fördern. 

Tatsächlich stellte der ehemalige nationale Sicherheitsberater der USA, Zbigniew
Brzezinski, beim Weltfriedensforum in Juni in Peking fest, dass die Welt eine
umfassende wirtschaftliche Partnerschaft zwischen den USA und China braucht. Doch
eine derartige Kooperation wird erst möglich sein, wenn die USA China als
gleichwertigen Partner anerkennen – und zwar nicht nur rhetorisch.

Angesichts der Tatsache, dass die USA gegenüber China weiterhin über einen
bedeutenden militärischen Vorteil verfügen, könnte Amerika eine derartige
Partnerschaft unterstützen, ohne dabei erhebliche Sicherheitsrisiken einzugehen.
Die Ironie besteht darin, dass diese militärische Überlegenheit die Bereitschaft
der US-Führung zu jener Art von Zugeständnissen - vor allem im Hinblick auf
Sicherheitsfragen- schwächen könnte, die eine Partnerschaft auf Augenhöhe erfordern
würde. Aber selbst in diesem Fall könnten die nötigen Anpassungen vorgenommen
werden, ohne damit die US-Sicherheitsinteressen zu beeinträchtigen.

Man denke an die Waffenverkäufe der USA an Taiwan. Angesichts des heutigen Grades
an Zusammenarbeit zwischen China und Taiwan würde eine Reduzierung dieser
Waffenverkäufe Taiwan kaum in Gefahr bringen, jedoch sehr wohl substanziell zum
Vertrauensaufbau zwischen den USA und China beitragen. Die Frage ist vielmehr, ob
irgendein US-Präsident, ob Republikaner oder Demokrat, bereit wäre, eine Entfremdung
derjenigen zu riskieren, die Taiwan noch immer durch die Linse seines Konflikts mit
der Volksrepublik betrachten.

Die Gegenleistung für diese Änderungen der US-Politik wäre das Bekenntnis Chinas,
eine Reihe internationaler Normen, Prinzipien und Institutionen zu respektieren und
verteidigen, die großteils ohne seine Beteiligung zustande kamen. Da Chinas rasches
BIP-Wachstum seit 1979 ohne die Bemühungen Amerikas zur Schaffung einer offenen
Weltordnung unmöglich gewesen wäre, sollte es für die chinesische Führung nicht zu
schwierig sein, diese Pille zu schlucken.

Natürlich könnte Chinas zunehmend selbstbewusste Außenpolitik seit 2009 darauf
hindeuten, dass die chinesischen Entscheidungsträger trotz der potenziellen Vorteile
einer gemeinsamen sino-amerikanische Führung weiterhin nicht bereit sein werden,
sich zur Durchsetzung der bestehenden globalen Ordnung zu bekennen. Doch es besteht
das wachsende Gefühl, dass dieses neue Selbstbewusstsein nach hinten losgegangen ist,
indem die Angst unter Chinas Nachbarn verstärkt wurde und die USA sich gezwungen
sahen, ihr strategisches Engagement in Asien zu erhöhen. Aufgrund dessen könnte
China möglicherweise überzeugt werden, seine Beziehung mit den USA einem Neustart zu
unterziehen. Die wichtigste diesbezügliche Bewährungsprobe wird Chinas Bereitschaft
sein, den Status quo im Ost- und Südchinesischen Meer zu akzeptieren.

Schwarzmaler verweisen häufig auf die Kriege im Anschluss an den Aufstieg des
deutschen Kaiserreichs als historische Parallele zu den sino-amerikanischen
Beziehungen von heute. Doch ein besseres Beispiel – dafür, wie ein globaler Hegemon
einer aufstrebenden Macht entgegenkommt – könnte Großbritanniens Anerkennung des
Aufstiegs Amerikas sein. Nun, da die Führung Chinas die globale Rolle des Landes
definiert, sollte sie den Erfolg des britischen Ansatzes im Auge behalten – ebenso
wie das Versagen der arroganten Diplomatie des deutschen Kaiserreichs.

Aus dem Englischen von Helga Klinger-Groier

*Source
http://www.project-syndicate.org/commentary/a-us-china-partnership-for-global-leadership-by-yoon-young-kwan/german

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